Unsere Kirche steht vor großen Veränderungen.
In den nächsten Jahren wird es signifikante Umbrüche geben, die das kirchliche Leben stark verändern könnten.
Was ist der Grund für diese Umbrüche?
Wie im Rest der evangelischen Kirche in Deutschland, so zeichnet sich auch in der evangelisch-lutherischen Kirche Bayern (ELKB) ein klarer Trend ab. Mit den neuen Untersuchungen zur Mitgliedschaft wird deutlich: Die Kirche wird in den nächsten Jahren massiv schrumpfen. Manche Studien sprechen von einer Halbierung der Mitglieder bis 2040 (Freiburger Studie 2024). Die Leitung der ELKB geht davon aus, dass sich die Anzahl der Mitglieder in Bayern von heute bis 2035 halbieren wird. So hat die bayerische Kirche Stand 2025 ca. 2,5 Millionen Mitglieder. Für 2035 wird vermutet, dass die Zahl sich auf 1 – 1,5 Millionen verringert. Eine derart starke Veränderung bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Wenn 50% der Mitglieder wegfallen, dann fallen auch 50% der Einnahmen weg. Die finanziellen Mittel werden knapp. Dadurch ist eins klar: Man kann nicht mehr so weitermachen wie bisher. Für so große Veränderungen braucht es auch entsprechende Maßnahmen.
Deshalb gab es jetzt in der Herbstsitzung der Landessynode einen Vorbeschluss zur Landesstellenplanung 2026. Bis 2035 soll es etwa 40% weniger hauptamtliches Personal in der Kirche geben als heute. Damit entsteht die Frage, wie man die großen Flächen und die vielen Gemeinden trotzdem noch angemessen versorgen kann. Hier wird auf den sogenannten Regionalisierungsprozess gesetzt.
Das bedeutet, es sollen einzelne Kirch-gemeinden in größere Regionalgemeinden fusioniert werden. Für diese Regionalgemeinden wird es dann ein Team von Hauptamtlichen geben, welche sich um die verschiedenen Aufgaben in der Region kümmern.
In Augsburg wird das konkret so aussehen, dass es 2035 vermutlich 3–4 Regionalgemeinden im Dekanat Augsburg geben wird, die jeweils aus 8.500-10.000 Mitgliedern bestehen werden. Um das etwas zu veranschaulichen: Nach heutigen Mitgliederzahlen müssten, um eine solche Regionalgemeinde zu erreichen, wir in St. Matthäus mit der Auferstehungskirche hier in Hochzoll, der evangelischen Kirche in Friedberg und St. Markus und St. Petrus in Lechhausen zusammengelegt werden. Bis 2035 würden selbst diese fünf Gemeinden vermutlich nicht ausreichen und es müssten noch weitere Gemeinden hinzugenommen werden, um eine Regionalgemeinde mit der Größe zu bilden. Für eine solche Regionalgemeinde soll es dann ein Team aus mindestens 5 Hauptamtlichen geben, die verschiedene Berufsgruppen abdecken. Dazu gehört immer mindestens ein Pfarrer, sowie Diakone, Religionspädagogen, Sozialpädagogen, Kirchenmusiker und andere biblisch-theologisch Ausgebildete. In diesem sogenannten multiprofessionellen Team soll gabenorientiert den Aufgaben in der Region nachgegangen werden.
Organisatorisch soll es so aussehen, dass die Regionalgemeinde eine Körperschaft öffentlichen Rechts wird, mit einem eigenen Kirchenvorstand. Die Verwaltungsaufgaben und die Mittelverwaltung der einzelnen Kirchengemeinden sollen an die Regionalgemeinde übergeben werden. Das heißt, über die Verwendung von Finanzen, die Verwaltung von Gebäuden, das Einstellen von Personal entscheidet nicht mehr die einzelne Kirchengemeinde vor Ort, sondern der Kirchenvorstand der Regionalgemeinde. Somit wird der Haushalt der einzelnen Kirchengemeinden dann zu einem gemeinsamen Haushalt in der Regionalgemeinde zusammengelegt, der auf dieser Ebene verwaltet wird. In den einzelnen Kirchengemeinden soll es eigene Ortskirchenvorstände oder Arbeitsgruppen geben, die das Gemeindeleben vor Ort fördern und prägen.
Das Ziel bei all dem ist, die Aufgaben der Kirchengemeinden zu zentralisieren, um ihnen dann effizienter begegnen zu können. Dabei wird auf gabenorientiertes Arbeiten gesetzt. Das heißt, einer aus dem Team der Hauptamtlichen kümmert sich beispielsweise um die Verwaltung, ein anderer übernimmt die Jugendarbeit in der Region, usw. Aber nicht nur die Verwaltung, auch die Angebote werden vermutlich viel in der Region stattfinden. Denkbar ist auch, dass es nicht mehr in jeder Kirchengemeinde einen eigenständigen Konfirmandenunterricht gibt, sondern zentral in der Region ein Angebot gestaltet wird, zu dem alle Jugendlichen aus der Region zusammenkommen.
So sind die Pläne bis jetzt. Im Dekanat Augsburg wird nun auch weiter überlegt, was es für eine Kirche der Zukunft braucht und wie man diesen Prozess gut gestalten kann.
Bei all dem kommen in mir viele Fragen auf: Führt diese Regionalisierung nicht unweigerlich dazu, dass der Abstand zwischen den Mitgliedern, den Ehrenamtlichen und den Hauptamtlichen immer größer wird? Wie kann Gemeindeleben aufblühen, wenn es im Kern Beziehungsarbeit ist, sich die Distanz aber immer mehr vergrößert? Auch frage ich mich, wenn die Mittel nun nicht mehr in der Ortsgemeinde verwaltet werden können, führt das nicht zum Rückgang in den Spenden? Oder wird es für Gemeinden noch die Möglichkeiten geben, mit eigenen Mitteln Personal für die Arbeit vor Ort anzustellen oder eigene Projekte zu stemmen? Zuletzt stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Inhalt: Inwiefern wird bedacht, dass die einzelnen Kirchengemeinden ein ganz unterschiedliches theologisches Profil haben? Wie kann man da gut zusammenkommen? Wie funktioniert es in den Teams von Hauptamtlichen?
All diese und noch mehr Fragen gilt es nun zu klären. Der Prozess wurde von der Kirche angestoßen. Nun ist es wichtig, dass auch wir als Gemeinde uns damit befassen und möglichst den Weg mitgestalten.
Dominik Ranke