Auf dem Prüfstand

„Eine Krise ist immer etwas Gutes“. Das ist eine starke Aussage und ich bin mir sicher, dass viele diesen Worten nicht zustimmen werden. Tatsächlich aber habe ich derartige Statements oft gehört, als ich in den vergangenen Wochen und Monaten mit unterschiedlichsten Menschen über die Corona-Pandemie und ihre Folgen gesprochen habe.

 Warum ist das so?
Wo diese Zeit doch für so viele eine schier unerträgliche war. Ohne Zweifel gibt es traurige Verluste zu beklagen: Verlust von Einkommen, Einschränkung physischer Kontakte, Verlust von geliebten Menschen. Manchmal braucht es etwas Abstand, um einer düsteren Situation etwas Positives abzugewinnen.

Krisen führen immer dazu, den Status quo zu hinterfragen, aus festgefahrenen Strukturen und Denkmustern auszubrechen. Krise bewirkt Veränderung. Diese Erkenntnis findet sich schon in der Bibel, in der Krisen so oft zu einer Veränderung des Gottesbilds führen. Falsche Gottesbilder scheitern immer. Derartiges lässt sich auch in der aktuellen Krise beobachten.

„Zu Beginn der Krise fehlten mir das wöchentliche Beisammensitzen mit den Freunden im Biergarten, die Kinobesuche, all die Aufregung. Doch immer mehr gewöhnte ich mich an die Ruhe und jetzt sehe ich es ganz anders. Ich brauche den ganzen Trubel nicht mehr.“ Ständige Unterhaltung, Ablenkung, Konsum, Beruf – das sind Aspekte, die im Zentrum der modernen, westlichen Gesellschaft stehen. Alle Gedanken kreisen darum. Man könnte sie als Gottesbilder bezeichnen. Und jetzt? Es ist sicherlich kein allgemeiner Tenor, doch der ein oder andere hat erkannt, dass es im Leben Wichtigeres gibt. Die falschen Götterfassaden bröckeln.

Wirtschaftliche Studien bestätigen, dass sich die Prioritäten geändert haben. Man freut sich zwar darauf, nach Corona wieder Geld auszugeben, aber nicht für Konsumgüter, sondern für Reisen, für Entschleunigung, für Zeit. Die Jagd nach dem Außergewöhnlichen scheint abzuflauen. Menschlichkeit und Nächstenliebe rücken in den Fokus. Das Wort Gottes hat wieder an Gewicht gewonnen: „Es tut mir so gut, in der Sonntagspredigt zur Abwechslung unter Menschen zu sein, die nicht dem Größer-Schneller-Besser-Wahn verfallen sind und sich stattdessen gemeinsam auf die wirklich wichtigen Werte besinnen.“

Mir fällt auf, dass es einige gibt, die sagen, die Corona-Pandemie hätte für sie persönlich nichts verändert. Meist sind es die, die schon zuvor auf der richtigen Spur waren – auf dem Weg Gottes. Die größte Veränderung erlebten diejenigen, die ihn aus den Augen verloren hatten. Für sie beginnt jetzt der Neustart. Sabine Gleiß

Die drei Zitate stammen aus meinem Freundeskreis

 

 

Albrecht Fietz

Datum

13. Juli 2021