EinBick 219-Gebet zuerst

In dieser Ausgabe EinBlick-219 geht es um das Grundhandwerkszeug des Christen: das Gebet.

Beten wurde schon immer als Atmen der Seele verstanden. Für Menschen des Glaubens bedeutet es, in Verbindung mit Gott zu treten. Gebet ist weit mehr als Bitten, wenn es mir schlecht geht. Gebet bedeutet: Jesus einlassen (Ole Hallesby). Lesen Sie, was uns als Gemeinde zu diesem Thema bewegt, was Menschen aus der Gemeinde mit Gebet verbinden und lassen Sie sich inspirieren, das Gebet neu in Ihrem eigenen Leben zu entdecken.

Aufgrund der Corona-Krise finden manche Veranstaltungen immer noch nicht statt. Eine gute Gelegenheit, sich mehr auf das innere Leben zu konzentrieren.

Wenn Sie Ihren Urlaub absagen mussten oder nicht in der Lage sind, wie geplant zu verreisen, wünsche ich Ihnen, dass Sie dennoch einen gesegneten Sommer erleben.

Zumindest hat uns die Krise eines gelehrt: Vieles, was wir bisher als so wichtig angesehen haben, können wir tatsächlich entbehren. Eines tut Not: Gott in allem zu vertrauen. Möge dieses Vertrauen in uns allen immer mehr zunehmen.

Ihr und Euer

Thomas Bachmann

 

 

Gebet zuerst

Der Apostel Paulus schreibt im 1. Timotheusbrief, Kapitel 2: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Warum sollen wir, bevor wir irgendetwas anderes tun, beten? Ist das nicht ein wenig weltfremd, Paulus? Ist das nicht irgendwie aus der Zeit gefallen? Leben wir heute nicht in einer Welt, in der die Macher gefragt sind. Nichts Gutes, außer man tut es! Wieso vor allem Beten?

Das Gebet ist der natürliche Ausdruck unseres neuen Lebens als Christen. Ja, es ist der Erweis, ob wir den Geist Gottes in uns haben oder nicht. Ob wir lebendige Kinder Gottes sind, die mit ihrem Vater im Himmel gerne Gemeinschaft haben oder nicht. Durch das Gebet lassen wir Jesus in unser Leben und in das Leben unserer Gemeinde. Ole Hallesby schreibt: „Nicht unser Gebet setzt Jesus in Bewegung, sondern es ist Jesus, der uns dazu bewegt, zu beten. Er klopft an. Damit gibt er zu erkennen, dass er in uns hinein will. Unser Gebet ist immer eine Wirkung davon, dass Jesus bei uns anklopft.“  So unmodern und uncool es auch klingen mag, aber durch das Gebet zeigen wir unsere Abhängigkeit von Gott und damit, ob wir tatsächlich im Glauben, also im Vertrauen auf Gott, leben, oder ob wir im Glauben an uns selbst leben. Wer betet, lebt nach dem Wort Jesu, der gesagt hat: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Das Gebet ist der beste Gradmesser dafür, ob ich wirklich mit Kopf, Herz und Hand verstanden habe, dass Gott Gott ist.

Ist das nicht ein bisschen schwarz-weiß? Klar ist es das. Aber manchmal kann uns das helfen, wach zu werden. Mir jedenfalls hilft es, wenn mir jemand mal klar sagt, was Sache ist. Und hier geht es schließlich um die wichtigste Sache der Welt. Nämlich darum, ob wir verstehen, was für ein Vorrecht es ist, dass wir als Kinder Gottes mit dem lebendigen, allmächtigen Gott zusammenleben und arbeiten dürfen. Dass wir als Kinder Gottes jederzeit im Namen Jesu freien Zugang zum König des Universums haben, der sich gerne um alles kümmern will, ohne uns dabei passiv zu machen. Von Martin Luther stammt der Satz: „Bete, als ob alles Arbeiten nichts nützt und arbeite, als ob alles Beten nichts nützt.“ Arbeit, Dienst, Denken, Lenken, Organisieren, Kinder erziehen, Beziehung leben, Kollege sein usw. schließt das Gebet nicht aus, sondern ein. Die grundlegende Frage ist für uns als Einzelne und als Gemeinde: Wollen wir Gott in unsere Not und in unser Leben einlassen oder nicht? Im Gebet geht es nicht darum, etwas für Gott zu tun, eine fromme Übung zu praktizieren, damit unserer religiösen Pflicht Genüge getan ist. Nein. Im Gebet geht es darum, dass wir von unserem durch Jesus erworbenen Vorrecht Gebrauch machen, in Gottes Gegenwart zu kommen und uns in das Bild Jesu verwandeln zu lassen. Im Gebet geht es darum, uns als Partner Gottes zu verstehen, der uns einlädt, Seinen segensreichen Einfluss durch uns in jedem Bereich dieser Welt geltend zu machen. Gebet ist darum wie Paulus schreibt Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, aber es ist auch Still sein und Hören und es ist Anbetung Gottes und Lobpreis seiner Herrlichkeit. Gebet ist das Zusammensein mit dem besten Freund unseres Lebens. Darum laden wir, liebe Leser, in diesem Einblick dazu ein, euch auf das Abenteuer „Gebet“ (neu) einzulassen. Als Einzelne in eurem Leben und als Gemeinde St. Matthäus.

„Das Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann.“ (Hans von Keler)

Thomas Bachmann

 

Albrecht Fietz

Datum

10. Juli 2020