Gewöhn dich an anders

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Kennen Sie den Ausdruck „unter Umständen“ oder „den Umständen entsprechend“? Ich finde die Haltung, die sich hinter diesen Aussagen verbirgt, eine Bankrotterklärung unseres Menschseins. Natürlich verstehe ich, was wir damit meinen. Und natürlich habe ich auch schon so was vom Stapel gelassen. Aber im Ernst: Sind wir wirklich die Opfer unserer Umstände? Wollen wir allen Ernstes den Umständen unseres Lebens die Macht über unser Wohlbefinden überlassen? Haben Krankheiten, Niederlagen, Beziehungsprobleme, Kündigungen, schlecht gelaunte Nachbarn oder Arbeitskollegen das Recht, uns das Leben zu vermiesen?

Wir könnten weitergehen und fragen: Haben unsere Fehler, unsere Selbstanklagen oder unser fehlendes Selbstbewusstsein das Recht, uns kleinzuhalten?

So „von oben“ betrachtet würden wir wohl sagen: eher nicht. Das Problem ist aber, dass auch wenn wir wüssten, wie es eigentlich besser um unser inneres Wohlbefinden aussehen könnte, wir tatsächlich oft nicht die Kraft haben, unsere Einstellung zu ändern. Wir sind so verhaftet in unserem Denken, haben uns so gewöhnt an schädliche Verhaltensmuster und sind letztlich doch gefangen in uns selbst. Da draußen scheint Freiheit zu sein, aber wie hinkommen?

Und hier kommt Ostern ins Spiel. An Ostern wurde nämlich alles anders. An Ostern hat der Gott, der von Anfang an für uns ein gesundes und siegreiches Leben gedacht hat, unsere innere Gefangenschaft beendet. Mit den Worten der Bibel gesprochen: Er hat uns losgekauft, erlöst, befreit. 

Martin Luther drückt es in seiner Glosse zum Römerbrief folgendermaßen aus:

„Christus hat für mich genug getan, er ist gerecht, er ist mein Schutz, er ist für mich gestorben, er hat seine Gerechtigkeit zu meiner gemacht und meine Sünde zu seiner. Weil er meine Sünde zu seiner gemacht hat, besitze ich sie nicht mehr und bin ganz frei. Da er seine Gerechtigkeit zu meiner gemacht hat, so bin ich durch die gleiche Gerechtigkeit, wie er, gerecht gemacht.“

Als Theologe sage ich: Treffender kann man es gar nicht formulieren! Was für einen Tausch hat uns Gott da angeboten, und dieser gilt jedem Menschen auf dieser Erde.

Das alles ist von Gottes Seite her passiert. Nun geht es aber darum, es auch zu glauben, ganz persönlich für sich anzunehmen. Es Luther nachzusprechen – denn er formuliert ja seine Sätze als sein eigenes Glaubensbekenntnis: „Christus hat für mich genug getan.“ Es geht darum, uns an diese neue, wunderbare, herrliche Wirklichkeit zu gewöhnen und jeden Tag darin zu leben.

Und die neue Wirklichkeit ist, dass wir nicht mehr von den Umständen bestimmt werden, nicht mehr von den negativen Nachrichten, den schlechten Launen unserer Mitmenschen. Ja nicht einmal mehr von unseren eigenen Gefühlen, wenn sie dem Wort Gottes entgegenstehen. Und nicht einmal von unserem eigenen Körper, wenn er uns verführen will, von Gottes Liebesgeboten abzuweichen oder wenn er Symptome von Krankheit aufweist. 

Wie gewöhnen wir uns an anders? Wenn wir anfangen, in der Wirklichkeit dessen zu leben, was Jesus für uns am Kreuz getan hat (Vergangenheit) und ihm dafür zu danken. Wenn wir im Glauben empfangen, dass Jesus jede Sünde, jede Krankheit, jede Sorge, jede Angst und jede noch so widrige Situation am Kreuz getragen hat (Vergangenheit). Das bedeutet doch dann, dass wir Gott zu nichts bewegen müssen durch unser Gebet, aber dass Gott schon längst bewegt ist über unsere Situation und sich längst bewegt hat, uns Sieg über alle Umstände zu geben. Halleluja! Möge dieser Glaube in uns wachsen und uns zu Lob und Dank gegenüber Jesus bewegen. Wie viel leichter und wie viel schöner ist doch ein Glaube, der annimmt, was Gott bereits getan hat, als einer, der ständig versucht, Gott zu etwas zu veranlassen, was er tun soll! Gewöhn dich an anders! Das ist Gnade!

Ihr   Thomas Bachmann

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Albrecht Fietz

Datum

15. März 2022